Frauen-Gründe zum Töten

Amy Bishop war völlig ruhig am Nachmittag des 12. Februar, nichts deutete auf Erregung oder Verwirrung hin. Wie an jedem Freitag unterrichtete die Biologie-Professorin an der Universität von Alabama ihren anderthalb Stunden währenden Kurs in Neurophysiologie. Dann ging sie in den Konferenzraum der Fakultät für Wissenschaft und Technologie auf dem Campus in Huntsville, um an der wöchentlichen Sitzung der Belegschaft teilzunehmen.

40 Minuten saß Bishop in der Konferenz und hörte still den Diskussionen und Vorträgen zu. Dann zog sie einen 9-Millimeter-Revolver aus ihrer Handtasche und schoss sechs Kollegen nieder. Erst als die Trommel leer geschossen war, hörte sie auf abzudrücken, verließ den Raum, warf die Waffe weg und stellte sich vor dem Gebäude der Polizei.

Der Mehrfachmord durch die Professorin kann kaum als Amoklauf bezeichnet werden. Amy Bishop handelte eindeutig nicht im Affekt, jedenfalls nicht im unmittelbaren. Ihren Zorn darüber, dass sie von ihren Kollegen nicht zur vollen Professorin ernannt wurde und eine Anstellung auf Lebenszeit erhielt, trug Amy Bishop schon seit einem Jahr mit sich herum.

Ihr Ehemann James Bishop berichtete später den Behörden, dass seine Frau schon seit Wochen auf einer Schießanlage den Umgang mit der Waffe geübt hatte. Und so können die Morde von Alabama, die seither Amerika umtreiben, nur als eines bezeichnet werden: als kaltblütig.

Die Neigung, Fälle weiblicher Gewalt wie den von Wuornos in Lehrstücke über Unterdrückung zu verwandeln, stammt laut Tanenhaus aus dem Feminismus der 60er und 70er Jahre. Für die Gegenwart sind solche Allegorien jedoch nicht mehr angemessen. Wenn man über Amy Bishop spricht, sollte man beispielsweise darüber sprechen, dass sie, wie viele Frauen heute, die Alleinverdienerin einer Familie mit vier Kindern war und unter enormem Druck stand.

Die Verweigerung der unbefristeten Lehrstelle bedeutete für ihre Familie eine Katastrophe. Mit dieser Situation könnten sich viele berufstätige Mütter identifizieren, schon gar in einer Zeit, in der die Zahl berufstätiger Frauen die Zahl berufstätiger Männer übersteigt. Eine solche Identifikation ist aber aus offensichtlichen Gründen nicht wünschenswert. Dann lässt man Bishop schon lieber zum irren Genie werden.


Hier gehts weiter mit einem Hintergrundbericht, der in der Klarheit seinesgleichen sucht …

Zwischen 25 und 47% der sexuellen Misshandler sind Misshandlerinnen

Was den fraglichen Anteil der Täterinnen betrifft, so gehen die Zahlen weit auseinander. Wetzels -der seine Dunkelfeldstudie für das Bundesministerium für Familie durchführte- kommt in seiner Studie von 1997 auf einen Anteil von zehn Prozent, Raupp und Eggers schließen 1993 auf 25 Prozent. Beide beziehen sich auf Deutschland. Die amerikanischen Forscher Risin und Koss identifizierten 1987 einen Anteil von 47 Prozent  weiblicher Sexualstraftäterinnen. Da diese Ergebnisse den Forschern selbst Unglauben bereitete, engten sie die zugrunde liegende Definition ein – wobei immer noch ein Anteil Täterinnenanteil von 35 Prozent zu verzeichnen war. (vgl. Enders 2008, S. 106) Obgleich ein Prozent, zehn Prozent oder 35 Prozent der sexuellen Gewalttaten durch Frauen verübt wurden, so ist das ein beachtlicher Täterinnenanteil, der nicht weiter in der (Fach-)Öffentlichkeit vernachlässigt werden sollte, wenn man betrachtet, wie häufig Kinder durch Männer und Frauen diese Übergriffe erfahren müssen.

Alles weitere gibt es hier.

Ein Opfer will seine Täterin sprechen. Diese antwortet mit einer Klage.

Sehr geehrte Damen und Herren,

ein Opfer sexuellen Mißbrauchs in früher Kindheit wollte sich aufgrund seiner schockierenden Erlebnisse vor einiger Zeit das Leben nehmen. Noch heute verweigert die Täterin ein Gespräch. Dieses aber wäre für einen Neuanfang des einstigen Opfers von elementarer Notwendigkeit. Das Opfer wollte sich vor einiger Zeit das Leben nehmen. Selbst das hat die Täterin nicht berührt. Anstelle dessen hat sie neulich mit einer Klage gedroht. Dabei sitzt das Opfer bereits seit über 30 Jahren in einem dunklen Gefängnis – in den Mauern seiner Erinnerung. Hilfesuchend wandte er sich an viele. Verstanden hat ihn niemand. Geholfen hat ihm keiner. Sind denn alle gleichgültig????

Es wird Ihnen freigestellt, den folgenden Abschiedsbrief zusammen mit dem Erlebnisbericht zu veröffentlichen

P.S.: Keine Sorge – Das Opfer hat inzwischen wieder Lebensmut gefaßt. Und es drängt darauf, dass sich die Täterin endlich ihrer Verantwortung stellt . . .

Anlage

„Ich war früher ein glückliches Kind gewesen. Voller Lebenskraft und daher meist recht anstrengend für die Erwachsenen, hyperaktiv und voller Elan, kaum zu bremsen.
Bis mir ein Bein gestellt wurde. Dann kam ich zu Fall.“
Chris Di., (vor seinem Selbsttötungsversuch im Jahr 2007)

Als ich ein kleiner Junge war, glaubte ich, daß mich jeder auf der Welt lieb hat. Jeder Erwachsene, der mich freundlich angrinste, sei es der Passant auf der Straße oder die Lottofee im Fernsehen, alle mochten mich, liebten mich. So glaubte ich. Wie naiv ich war.
Schon im Kindergarten war ich kreativ und voller Ideen, frei von allem Leid dieser Welt, und ich glaubte, daß die Welt ja nur auf mich gewartet hat und mich mit offenen Armen aufnimmt.
Ich fühlte mich sicher und geborgen, kam schließlich aus einer starken Familie, wie ich zumindest glaubte. Mein (erfolg-)reicher und angesehener Großvater hatte in Wxxxxxtal nach dem Zweiten Weltkrieg ein ansehnliches „Geschäftsimperium“ mit über 50 Tankstellen aufgebaut, und die Familie war überaus angesehen und vermögend.
Meine Kindheit und Jugend erlebte ich in der Küstenstadt Noxxxx. Mein Vater H.-J. Di. war einst als junger Mann von seinem Vater Paxx Di. senior und seinem Bruder dort hin geschickt worden, um dort einen Handwerksbetrieb zu übernehmen. Wie ich später erfuhr, war dies nicht ganz freiwillig geschehen. Auf Wunsch meines Großvaters sollte mein Vater nach seiner Lehre und einem Angestelltenverhältnis in Hamburg ursprünglich nach Wxxxxxtal zurückkehren, um dort in die Firma Di. aufgenommen zu werden. Nachdem mein Vater eigens seine Beschäftigung in Hamburg gekündigt hatte und nach Wxxxxxtal zurückgekehrt war, stand er jedoch plötzlich vor verschlossenen Türen. Meine Tante Elke wollte, daß einzig ihr Ehemann (Paxx Di. jr., der Bruder meines Vaters H.-J. Di.) die Nachfolge meines Großvaters in der Firma Di. Wxxxxxtal antritt, um dort alleine die Familie Di. repräsentieren zu können. Auf Druck meiner Tante und meines Onkels wurde mein Vater schließlich wieder „ausgeladen“. Er war ein äußerst feinfühliger, leicht lenkbarer und um Harmonie bedürftiger Mensch gewesen, und so erklärte sich mein Vater ohne jeden Einwand, jedoch gegen seine innere Überzeugung dazu bereit, sich „ausbooten“ und wieder wegschicken zu lassen und im ihm völlig fremden Ostfriesland ohne jegliche Führungskenntnisse ein Kälte- und Klimageschäft zu übernehmen, welches mit seinem Erbanteil auf seinen Namen erworben wurde. Wie sich zeigen sollte, war mein 25 Jahre alter Vater mit der Situation völlig überfordert, plötzlich Chef über zahlreiche ältere ostfriesische Arbeiter zu sein, deren zuweilen etwas derbere Mentalität er nicht verstand, auch wenn er sich nach außen mit allem einverstanden erklärte und sich um den Anschein bemühte, alles im Griff zu haben. Meines Erachtens hatte die Psyche meines Vaters schon damals ihren ersten Knick erhalten. Er hatte es nie wirklich verwunden, daß die Familie ihn „ausgesetzt“ hatte und ihn von da an bis zu seiner Pleite 15 Jahre später und darüber hinaus bis heute im Stich ließ…
Er hatte es allen zeigen wollen, doch es funktionierte nicht. Aufgrund seiner mangelnden Führungsqualitäten und die fehlende Anerkennung und Unterstützung durch die familiäre Herkunft in Wxxxxxtal machte er nach ein paar Jahren Pleite und verlor schließlich seine Firma, als ich noch ein Kind war. Ich erinnere mich gut daran, wie sehr dies meinen Vater veränderte. Hatte er bislang kaum Zeit für seine Familie und seine Kinder (meine drei Jahre ältere Schwester und mich) gehabt, fehlte ihm von da ab völlig die Bindung zu und das Interesse an uns. Eine Entfremdung vollzog sich, die sich nie mehr umkehren sollte. Mein Vater war im Grunde ein sehr weicher Mensch gewesen, und dies bekamen wir Kinder von da ab besonders negativ zu spüren. Während er zu Fremden überaus weich und freundlich, hilfsbereit und geduldig blieb, zeigte er uns jede erdenkliche Härte, insbesondere in emotionellen Dingen. In seiner Zerrissenheit empfand er uns wohl als seine lästige Familie, die ihn allzeit verpflichtete und davon abhielt, frei zu sein. Schon früh lernte ich, daß ich meine eigenen Probleme „herunterschlucken“ mußte, um meinen Vater mit seinen Sorgen nicht zusätzlich zu belasten. Im Grunde drehte sich seit seiner Pleite alles nur noch um ihn, und so gut wir konnten, unterdrückten meine Mutter, meine Schwester und ich alles in uns, was ihn zusätzlich belastet hätte.
Auch wenn, abgesehen von unserer Großmutter Herta Di., die Wxxxxxtaler Familie meinem Vater seit seinem Weggang in keiner Weise half, fuhren wir doch mehrmals im Jahr nach Wxxxxxtal, um die Verwandten zu besuchen.
Eines Tages war ich alleine bei meinen Pateneltern Paxx und Elke Di. (Tochter des bekannten Schilderfabrikanten Wilxxxx H. aus HH) gewesen. Meine Tante, die sich stets als überzeugte Christin gab und sich fleißig in der Wxxxxxtaler Kirche engagierte, war und ist eine sehr resolute und energische Erscheinung mit einem stechenden Blick, welche insbesondere auf labile und leicht manipulierbare Menschen sehr einschüchternd wirken kann, während mein Onkel Paxx an sich extrem weich und ängstlich veranlagt ist, sobald er in eine ihn überfordernde Situation gerät. In solchen Fällen neigt mein Onkel stets dazu, sich hinter seiner dominanten Ehefrau zu verstecken.
Auch mir hat meine Tante damals, als ich noch klein war, großen Respekt eingeflößt, jedoch empfand ich dies keineswegs als Bedrohung, zumal ich ihr ja vertraute und sie wie meinen Onkel liebte. Den genauen Zeitpunkt kann ich nicht mehr benennen, doch es muß zu Beginn der 80er Jahre gewesen sein, als mich meine Tante Elke in einem Büro der Kirche in Wxxxxxtal mißbrauchte. Zur Zeit des Mißbrauchs durch meine Tante war ich jedenfalls noch so jung gewesen, daß ich ihr blind vertraute und vollkommen arglos war, als sie mich berührte.
Ich weiß nicht mehr, in welchem Gebäude konkret meine Tante mich mißbrauchte, kann mich aber noch daran erinnern, daß es sich um ein Kirchenbüro in Wxxxxxtal handelte. Meine Tante erklärte mir damals nicht, weswegen wir dorthin gingen, sie sagte nur, sie wolle mich „reinigen“, um mich „mit Gott zu versöhnen.“ Mein Onkel war ebenfalls mit zu dem Gebäude gegangen und ging meiner Erinnerung nach in einen Nebenraum, während mich meine Tante in ein Büro führte und mir dann dabei half, mich auszuziehen. Sie stellte mich nackt auf einen Stuhl oder Tisch und beugte sich nieder, um meinen Intimbereich zu befühlen und schließlich meinen Penis in den Mund zu nehmen und daran zu saugen. Ich weiß nicht mehr genau, was im Einzelnen noch geschah; ich war mit meinen rund 8 oder 9 Jahren noch völlig ahnungslos gewesen, und das Verhalten meiner Tante beunruhigte mich nicht einmal. Ich vertraute ihr ja, und mein Schamgefühl entwickelte sich erst später. Meine Tante begründete ihr seltsames Tun damit, daß sie einen Dämon aus mir habe heraussaugen müssen. Nun sei ich im Einklang mit Gott (den Begriff „Einklang“ hatte ich vorher noch nie gehört), und meine Seele sei jetzt gerettet. Der liebe Gott habe nun ein Auge auf mein Wohl. Ich dürfe aber mit absolut niemandem darüber reden, weil ansonsten der Dämon zurück in meine Seele käme.
So schwieg ich über den Vorfall. Daß bzw. wie sehr sie mich damals eigentlich mißbraucht hatte, wurde mir erst später deutlich. Als ich dahinter kam, was eigentlich passiert war, traumatisierte es mich auf einen Schlag und nachhaltig; ich fühlte mich da zutiefst gedemütigt und verraten, mißbraucht und dann einfach weggeworfen. Bis heute ist mein Verhältnis zu Frauen schwer gestört, und noch heute bin ich nicht fähig dazu, zu Frauen eine vertrauensvolle Nähe zu suchen – weder in emotioneller noch sexueller Hinsicht. Sie machen mir einfach angst. Hinzu kommen ein abgrundtiefes Schamgefühl und der Gedanke, daß nach so vielen Jahren niemand mehr Anteil oder Verständnis für mein Schicksal haben wird, so daß ich in all den Jahren von meiner Jugend bis heute versuchte, alles mit mir selber auszumachen. Außerdem hatten meine Eltern und alle mir nahestehenden Personen damals selber zu viele eigene Probleme, als daß ich sie mit meinen Sorgen hätte belasten wollen und können. De facto gehören Sie als Leser heute zu einem sehr kleinen Personenkreis, dem ich mich bislang offenbart habe. In meiner Kindheit und Jugend hat es nie den richtigen Zeitpunkt dafür gegeben. Als Kind vertraute ich meiner Tante ja noch, und mit zunehmendem Alter rückten die Probleme meines Vaters immer mehr und noch mehr in den Vordergrund, bis diese schließlich alles überschatteten, was meine Mutter und uns Kinder sowie unsere Probleme anbelangte. Da war einfach kein Platz für eigene Fragen und Sorgen. Eines Tages in meiner Jugend versuchte ich es dennoch, meinem Vater mein Erlebnis zu offenbaren. Eine schwere Ohrfeige mit der Faust und das absolute Verbot, so etwas noch einmal zu behaupten, waren die Folge. Ansonsten würde ich die ganze Familie zerstören, wir würden alles verlieren, und ich sei dann daran schuld. Verbunden mit der Furcht davor, nicht mehr geliebt zu werden, falls ich gegen dieses Verbot verstoße, verdrängte ich das Erlebte weiterhin – bis in die heutige Zeit.
So schwieg ich, während das familiäre Unheil seinen weiteren Lauf nahm:
Nach der Pleite hatten es meine Eltern in einem gemeinsamen Kraftakt irgendwie geschafft, zusammen mit einem Partner auf der Nordseeinsel Jxxxx ein italienisches Restaurant zu eröffnen. Einige Jahre liefen die Geschäfte gar nicht so schlecht. Während meine Mutter Baxxxxx rund zehn Jahre lang die greise Mutter meines Onkels und Vaters Herta Di. buchstäblich rund um die Uhr pflegte, führte mein Vater zusammen mit dem Partner die Geschäfte als OHG auf dem Namen meiner Mutter. Im Verlaufe der Jahre sollten sich die Fehler meines Vaters allerdings wiederholen. Die Gastronomie ist ein sehr hartes Pflaster, und man hat es hinter den Kulissen mit vielen gescheiterten Existenzen und Personen mit dunkler Vergangenheit zu tun. Mein Vater redete unbedarft und zu viel mit den verkehrten Leuten, und er war nicht fähig dazu, mit dem Personal und seinen Schwierigkeiten umzugehen. Kurzum: Ihm fehlten noch immer die erforderlichen Kenntnisse in punkto Menschen und deren Führung, so daß durch unnötige Kosten und Gerichtsprozesse mit Angestellten und der Inselgemeinde auch dieses Geschäft immer mehr Schulden produzierte, obwohl es im Grunde ja gut lief. Als der Schuldsaldo über eine halbe Million DM betrug und auch das Finanzamt und die Banken anfingen, größere Schwierigkeiten zu machen, erkrankte meine Mutter Baxxxxx an Krebs, weil sie den ganzen Druck im Grunde schon sehr lange nicht mehr ertrug. Dazu kam die jahrelange Pflege von Oma, die gerade kurz zuvor verstorben war.
Während meine Mutter im Krankenhaus eine Chemotherapie bekam, tat mein Vater das, was er im Grunde immer getan hatte. Er ging in die Offensive und trat in die Opferrolle. Wieder war er die Hauptperson des Geschehens. „Um sich nicht das Leben nehmen zu müssen (wie er sagte)“, ließ er meine Mutter im Stich und zog ausgerechnet am Hochzeitstag zu seiner Geliebten, nachdem meine Mutter ihm zuvor nur durch Zufall auf die Schliche gekommen war. Am gleichen Tag hatte er sie noch mit 33 Rosen von der Fähre abgeholt und sie zu einem Champagnerfrühstück eingeladen. Durch einen wohl klassischen „Männerfehler“ jedoch entdeckte meine Mutter, daß er ein Verhältnis hatte, und noch am selben Abend zog mein Vater zu seiner Geliebten. Wie sich später herausstellte, hatte er diese Geliebte schon ziemlich lange, und abgesehen von uns Dreien wußte es die ganze Insel. Jxxxx ist wie ein Dorf mit Wasser drum herum. Jeder erfährt alles, nur nicht die Betroffenen. Man darf es sich so ausmalen: Während meine Mutter jahrelang seine Mutter gepflegt hatte, sie wusch, ihr den Hintern abwischte, vergnügte mein Vater sich mit seiner Geliebten eine Straße weiter. Nach und nach kam nun alles ans Tageslicht. Jeder Tag verbunden mit neuen Hiobsbotschaften, und das wochenlang, jahrelang. Plötzlich war da noch ein Kind mit einer noch früheren Geliebten, und plötzlich sah ich mich mit der Tatsache konfrontiert, daß da noch ein 16 Jahre alter Halbbruder ist.
Er konnte einfach nicht mehr bei meiner Mutter bleiben, sagte mein Vater. Er habe sich geopfert. Für uns. Für seine Familie! Das Geld reiche ohnehin nicht für einen gemeinsamen Lebensabend. Die Ehe sei zerrüttet. Komisch, bis zum 33. Hochzeitstag hatten wir davon nichts bemerkt… Er hätte sich sonst das Leben genommen, wenn er nicht gegangen wäre, sagte er, und: „Das Finanzamt Noxxxx hat meine Ehe zerstört!“
Heute glaube ich wirklich, daß mein Vater mit der Welt nicht mehr klarkam. Er ist scheinbar wirklich ein gebrochener und kranker Mann. Wie auch immer: Was in den folgenden vier Jahren passierte, ist so unvorstellbar und turbulent, daß ich mich nervlich kaum in der Lage sehe…
Ich versuche es trotzdem, denn es muß raus. Es will raus. Während mein Vater so ziemlich alle Charaktere der „Lindenstraße“ auf seine Person vereinte und ohne jedes für uns erkennbare Vorzeichen einer Ehekrise zu einer anderen Frau eine Straße weiter zog, schaffte meine Mutter es trotz ihrer schweren Krankheit, Trauer und finanziellen Sorge irgendwie, den Laden über Wasser zu halten und sogar Schulden abzubauen – freilich auf Kosten ihrer Altersversorgung und Lebensversicherungen. Ja, meine Mutter ist eine Kämpferin, auf die ich sehr stolz bin. Und wir Kinder haben zu ihr gestanden und geholfen, so weit wir es konnten. Während wir halfen, half mein Vater seiner Geliebten, die plötzlich sogar ihre Pension renovieren konnte, während bei meiner Mutter Gelder fehlten.
In dieser wirtschaftlichen, doch vor allem menschlichen Not schrieb ich meinen Pateneltern in Wxxxxxtal einen verzweifelten Brief mit der Bitte um jede erdenkliche Hilfe. Er kam ungeöffnet zurück: „Annahme verweigert. Paxx Di.“
Dabei hatte ich mit meinen Pateneltern bis dahin nie eine Auseinandersetzung geführt, auch wenn es mich einige Jahre zuvor ebenfalls sehr gekränkt und verletzt hatte, wie mein Onkel und meine Tante mit meiner greisen Oma Herta umgegangen waren, bis diese einmal in Tränen in aufgelöst zu uns nach Noxxxx floh. Das war im Herbst 1991, ich war gerade 20 Jahre alt geworden. Es fällt mir nicht leicht, einen 85 Jahre alten Menschen heulen zu sehen, und schon gar nicht die eigene Oma. Meine Oma war eine gutmütige Dame gewesen, die es all ihren Kindern immer recht machen wollte, manchmal wohl viel zu recht.
Aufgrund testamentarischer Verfügung meines Opas war sein Sohn Paxx nach seinem Tode im Jahre 1973 bewußt mit dem höchsten Erbanteil an der Firma Di. in Wxxxxxtal bedacht worden. Daran gekoppelt war die Bedingung, daß Paxx seiner Mutter Herta auf Lebenszeit eine monatliche Rente in Höhe des Gehaltes eines Regierungsrates zahlen müsse. Daß meine Großmutter ihren Ehemann noch 25 Jahre überleben sollte, brachte insbesondere meine Tante Elke in Rage, die sich schon über jede kleine Ausgabe meiner Oma erzürnte. Durch Frau Opitz, die gemeinsame Putzfrau, erfuhr meine Tante immer genau, wann und wofür meine Oma ihr Geld ausgab. Schließlich kamen meine Tante und mein Onkel auf die clevere Idee, meine Oma zu einer mehrtägigen Herbstfahrt in den Schwarzwald einzuladen. Wie Oma später erzählte, hat Paxx eines Abends sehr geweint und meiner Oma gesagt, er könne nicht mehr so viel Geld für sie bezahlen. Es würde ihn wirtschaftlich ruinieren. Und Tante Elke fügte hinzu: „Bei der Festlegung des Testamentes hat Dein Ehemann sicher nicht damit gerechnet, daß…
Was auch gesagt worden war: Bevor meine Pateneltern schließlich mit meiner Oma von der Reise zurückkehrten und sie zu ihrem Haus in Wichlinghausen brachten, machten sie noch einen kurzen Stopp beim befreundeten Rechtsanwalt und Notar L. R. in Wxxxxxtal, einem stadtbekannten Oldtimerfreund. Dieser hatte bereits einen Vertrag vorbereitet, den meine Oma bloß noch zu unterzeichnen brauchte, um meinen Onkel von einem Teil seiner Verpflichtungen in Sachen Rente seiner Mutter zu befreien. Gesagt, getan! Meine Oma unterzeichnete zu ihrem Nachteil, doch dies war nicht alles. Zu dem Zeitpunkt hatte meine Oma schon einige unsittliche Verträge zu ihrem Nachteile unterschrieben, wie sich später herausstellte.
Die Schwestern von Onkel Paxx und meinem Vater waren nicht einverstanden damit, daß meine Oma psychisch wieder und wieder von Tante Elke unter Druck gesetzt wurde, um auf Gelder zu verzichten oder an Paxx Rechte abzutreten und Geschenke zu machen. Zum 60. Geburtstag meines Onkels Paxx eskalierte der Streit schließlich, nachdem meine Oma eine Einladungskarte bekommen hatte, auf deren Rückseite der Name eines Gemäldes aus ihrem Besitz stand. Tante Elke wollte das Gemälde im damals geschätzten Werte von über 20.000 DM für ihren Mann requirieren, und Oma sollte es am besten gleich zur Feier mitbringen. Die Schwestern gingen auf die Barrikaden und der Streit eskalierte, so daß meine harmoniebedürftige Oma aus Angst vor einer schweren Auseinandersetzung mit meiner Tante Elke und ihrem Sohn schließlich zu uns nach Noxxxx floh. Nun stieg endlich auch mein allzu harmoniesüchtiger Vater ein und bezog (vielleicht zum ersten Mal in seinem Leben) Stellung gegen seinen zehn Jahre älteren Bruder. Aber da war schon alles gelaufen. Sämtliche Bankvermögen und Sparguthaben waren für den Fall des Todes meiner Großmutter bereits zugunsten von Onkel Paxx überschrieben worden, und egal welchen Ordner man in die Hand nahm: Onkel Paxx und Tante Elke waren schon dagewesen. Sie hatten nichts vergessen…
Meine Oma lebte von da ab noch sieben Jahre bis zu ihrem Tode 1998. Von Paxx und Elke kam kein Lebenszeichen mehr. Egal ob Oma Geburtstag hatte und in Wxxxxxtal gefeiert wurde, die beiden schwiegen. Offenbar gab es bei Oma nichts mehr zu holen… Leider oder glücklicherweise litt meine Oma in ihren letzten Lebensjahren zunehmend an Demenz, so daß sie es gar nicht mehr richtig mitbekam, daß ihr Sohn sich schon über Jahre nicht mehr bei meldete.
Selbst am 90. Geburtstag, der ebenfalls in Wxxxxxtal gefeiert wurde, kam keine Reaktion von Onkel Paxx, und schlimmer noch: nicht mal an der Beerdigung seiner eigenen Mutter anderthalb Jahre später nahm er teil. Dafür schickte er den größten Kranz von allen: „In Liebe, Paxx und Elke Di.“
Wie gut ich mich erinnere: alle kondolierten vor dem Sarg meinem Vater, sprachen ihn mit “Paxx” an, weil ihn jeder verwechselte und sich niemand denken konnte, daß Paxx nicht gekommen war! Meinen Vater kannte ja auch in Wxxxxxtal niemand mehr: „Ach, Paxx hat noch einen Bruder?“
Dies alles habe ich erlebt, und im Grunde war es noch so vieles mehr. Beim Niederschreiben meiner Erlebnisse habe ich mich auf die mir am wichtigsten erscheinenden Erinnerungen reduziert.
Ich habe den Glauben an die Gerechtigkeit verloren, und damit ist alles, was mir einmal wichtig war, widerlegt. Wie sehr haßte ich schon als Kindergartenkind die bösen Zauberer und die Hexen in den Märchen, die Böses tun und Menschen manipulieren. Schon damals schwor ich mir, mich Ungerechtigkeiten niemals zu beugen, egal was auch passiert! Doch wo bin ich mit meiner Lebensphilosophie angekommen? Der Zeitgeist arbeitet gegen meine Ideale. Gegen mich. Ich bin ein gebrochener Mensch, der die Nähe zu Menschen schon lange nicht mehr erträgt.
So arbeite ich als Künstler und hoffe verzweifelt auf meinen Durchbruch, um mir die geistige Freiheit zu bewahren und die wirtschaftliche Unabhängigkeit zu erkämpfen, die es mir ermöglicht, frei von der Nähe zu Menschen zu sein. Denn eine geregelte Arbeit zusammen mit Menschen, die gegeneinander mobben und intrigieren, bewältige ich psychisch schon lange nicht mehr…
Wer ist Schuld? Wer ist schuld daran, daß ich auf meine Herkunft nicht stolz sein kann? Wer trägt die Verantwortung dafür, daß mir mein Leben wie unerwünscht vorkommt? Als wenn es mich nicht geben dürfte? Als wenn meine Existenz ein Fehler wäre?
Wer trägt die Schuld? Wer trägt die Verantwortung?

Die Guten oder die Bösen?
Ich weiß es nicht mehr . . .
Chris Di., der sich bis ins Mark seiner Herkunft schämt!

Mutter fordert Polizisten auf, Elektroschocker gegen die eigene Tochter einzusetzen.

Ganz so friedfertig wie immer behauptet, sind Mütter wohl doch nicht, wie der Artikel auf SPON beweist:

Brachiale Methoden der US-Polizei: Ein Beamter aus dem Bundesstaats Arkansas hat eine widerspenstige Zehnjährige mit einer Elektroschockpistole außer Gefecht gesetzt. Die Mutter des Kindes habe ihn aufgefordert, die Waffe einzusetzen, sagte der Mann.

Little Rock – Die Mutter der Zehnjährigen rief die Polizei, weil sich ihre Tochter mit Händen und Füßen dagegen wehrte, vor dem Zubettgehen eine Dusche zu nehmen. Als die Beamten im Haus eintrafen, lag das Kind schreiend und um sich tretend auf dem Boden, heißt es in dem am Mittwoch bekannt gewordenen Polizeibericht.

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Ein Beamter versuchte vergeblich, das Kind in seine Gewalt zu bringen. „Ihre Mutter sagte mir, ich solle den Taser benutzen, wenn es nötig sei“, gab der Polizist zu Protokoll. Er habe daraufhin für sehr kurze Zeit die Elektroschockpistole eingesetzt.

Von Mutter an Freier verkauft – tot!

Eine Woche lang sucht der US-Bundesstaat North Carolina nach Shaniya Davis (5). Drei Wochen erst ist sie bei ihrer Mutter Antoinette (25) in einem Trailer-Park in Fayetteville, als sie verschwindet. Noch bevor die Vermisstmeldung bei der Polizei eingeht, meldet sich ein Hotel: Sie hätten Shaniya mit einem Mann gesehen. Eine Überwachungskamera hält die beiden fest (Blick.ch berichtete).Im Lauf der Ermittlungen werden zwei Männer festgenommen, einer ist der neue Freund von Antoinette Davis. Der andere wird als Shaniyas Begleiter im Hotel identifiziert. Gestern Nachmittag kommt die Mutter vor Gericht.Die US-Polizei belastet Antoinette Davis wegen Menschenhandels und Prostitutions-Vergehens. Die Schwangere habe ihre Tochter – die bisher bei ihrem leiblichen Vater Bradley Lockhart lebte – an Freier verkauft.

Shaniya Davis (5): Von Mutter an Freier verkauft – tot! – Ausland – News – Blick.ch