Hellwach, die zweite…

Hier hatten wir bereits von der Gewaltschutzkonferenz berichtet.

Jetzt beschweren sich die Künstlerinnen über die “staatliche Zensur”, die ihnen als Künstlerinnen widerfährt.

Liest man jedoch ihre Homepage sorgfältig, so versteht sich “hellwach” wie folgt:

Was ist hellwach?

hellwach ist eine kunstpolitische Intervention im öffentlichen Raum zum Thema „Gewalt an Frauen“. Es verortet sich an der Schnittstelle zwischen Kunst, Soziales und Politik. Wir nutzen den öffentlichen Raum als Aktions-, Ausstellungs- und Präsentations-Ort.

Und jetzt?
Jetzt wird deutlich, dass die Verantwortlichen als Künstlerinnen politisch handeln wollen, nicht zuletzt, um mit gesellschaftlicher Relevanz ernst genommen zu werden.
Doch werden sie und ihre Arbeiten von der Politik ernstgenommen, so sind sie in ihrem Selbstverständnis auf einmal nur Künstlerinnen, mit eben deren Freiheiten…

Gewaltschutzkonferenz in Österreich

DieStandart.at berichtet:

hellwachinfo.jpgAuf der Gewaltschutzkonferenz in Österreich wurde ein Frauenduo ausgeladen, das am Rande der zur Zeit in Wien und St. Pölten stattfindenden Konferenz “Zehn Jahre österreichische Gewaltschutzgesetze” im Rahmen der Tagung künstlerische Positionen zum Thema “Gewalt gegen Frauen” ausstellen sollte.

Laut Darstellung des Künstlerinnen-Duos Carla Knapp und Angela Zwettler wurde ihr Projekt “hellwach – bei Gewalt an Frauen” wenige Tage vor Beginn der Tagung ohne offizielle Erklärung ausgeladen. Einige der Exponante wurden vom Frauenministerium demnach als “nicht ministrabel” eingestuft.

Kritisierte Positionen
Bei den zwei kritisierten Objekten handelt es sich zum einen um das Bild einer Migrantin, die vor einem österreichischen Dorf posiert. Der Text dazu lautet: “Wir fordern einen autonomen Aufenthaltsstatus für Migrantinnen! Sie sind sonst rechtlos der Gewalt durch den Ehemann ausgesetzt” (so wird der Eindruck erweckt, alle Migrantinnen würden von ihren Ehemännern Gewalt erfahren). hellwach.jpgIn der zweiten Arbeit ist eine abstrahierte Frauenfigur zu sehen, die in einer Hand ein Messer und in der anderen Hand ein Schild (Auge) trägt – ein Symbol der Wehrhaftigkeit der Frau. Der Text dazu lautet: “Viele Frauen und Mädchen sitzen zu Hause in der Falle. Vergewaltiger, wir kriegen dich!”

Bild © hellwach.info

Nun gibt es Streit unter einigen Feministinnen um das “Kunstverständnis” allgemein.

Die Internet-Seite der Künstlerinnen: hellwach.info zeigt bereits im Teaser einen bemerkenswert offensichtlichen Widerspruch auf… Zitat:

Gewalt an Frauen

Das Thema Gewalt an Frauen wird, trotz verschiedenster Kampagnen seitens der Frauenbewegung und der Politik, weitergehend tabuisiert. Es wird in die Privatheit, dort wo die Gewalt gegen Frauen stattfindet, abdrängt und zugleich marginalisiert.

Wie kann ein gesellschaftlicher Tatbestand, der durch Frauenbewegung UND Politik in Kampagnen häufig und seit Jahren thematisiert wird, weitergehend tabuisiert und in die Privatheit abgedrängt werden???

Dieser Satz ist nicht nur semantischer Unsinn, sondern vielmehr Beleg für ein vermutliches Selbstverständnis der Künstlerinnen, welches sich offenbar aus einer auf ewige Permanenz ausgelegten Opferrolle speist.

Inwieweit weibliche Täterinnenschaft und männliche Opfer bei körperlicher häuslicher Gewalt überhaupt auf der als “Gewaltschutzkonferenz” gelabelten Tagung thematisiert werden, geht aus den Veröffentlichungen nicht hervor. So ist zu vermuten, dass über diesen mindestens gleich großen Teil der häuslichen Gewalt allgemein nicht konferiert wird. Häusliche Gewalt ist nämlich jede Gewalt, die im sozialen Nahraum stattfindet, also die Gewalt gegen alte Menschen, gegen Kinder, gegen Männer und gegen Frauen.