Andrea (11) geht in die sechste Klasse eines Gymnasiums. Sie ist jünger und ein wenig kleiner als ihre Mitschüler. Sie hat gute Noten, liebt ihre Geige. «Eine beste Freundin hat sie nicht, sie kommt gut mit sich alleine klar», sagt der Vater. Plötzlich werden ihre Leistungen schlechter. Erzählte sie früher gern aus der Schule, wird sie bei dem Thema immer schweigsamer. «Uns ist aufgefallen, dass sie ganz schnell auf 180 war», erinnert sich der Vater.Dann stand das Skilager an. Drei Mitschülerinnen hatten es schon länger auf Andrea abgesehen. Der Grund: Die Jüngere kannte keine der angesagten Bands oder Kinofilme: «Du kennst nichts, wir können auf Dich einfach keine Rücksicht mehr nehmen», sagten die Teenager der Elfjährigen ins Gesicht. «Ich kenn’ dafür andere Dinge», versuchte die sich anfangs noch zu wehren – und machte es immer schlimmer.«In der Schule konnte sie noch fliehen, im Skilager war sie den Anderen ausgeliefert», rekapituliert ihr Vater. Per Handy wird sie im Bad, im Bett fotografiert und gefilmt. Die Bilder werden herumgezeigt, sollen im Internet veröffentlicht werden. Manche lachen, die Mehrheit der Klasse schweigt.
Schulen im Kampf gegen Mobbing – Rosenheim und Mühldorf – ovb-online.de
