Frauen-Gründe zum Töten

Amy Bishop war völlig ruhig am Nachmittag des 12. Februar, nichts deutete auf Erregung oder Verwirrung hin. Wie an jedem Freitag unterrichtete die Biologie-Professorin an der Universität von Alabama ihren anderthalb Stunden währenden Kurs in Neurophysiologie. Dann ging sie in den Konferenzraum der Fakultät für Wissenschaft und Technologie auf dem Campus in Huntsville, um an der wöchentlichen Sitzung der Belegschaft teilzunehmen.

40 Minuten saß Bishop in der Konferenz und hörte still den Diskussionen und Vorträgen zu. Dann zog sie einen 9-Millimeter-Revolver aus ihrer Handtasche und schoss sechs Kollegen nieder. Erst als die Trommel leer geschossen war, hörte sie auf abzudrücken, verließ den Raum, warf die Waffe weg und stellte sich vor dem Gebäude der Polizei.

Der Mehrfachmord durch die Professorin kann kaum als Amoklauf bezeichnet werden. Amy Bishop handelte eindeutig nicht im Affekt, jedenfalls nicht im unmittelbaren. Ihren Zorn darüber, dass sie von ihren Kollegen nicht zur vollen Professorin ernannt wurde und eine Anstellung auf Lebenszeit erhielt, trug Amy Bishop schon seit einem Jahr mit sich herum.

Ihr Ehemann James Bishop berichtete später den Behörden, dass seine Frau schon seit Wochen auf einer Schießanlage den Umgang mit der Waffe geübt hatte. Und so können die Morde von Alabama, die seither Amerika umtreiben, nur als eines bezeichnet werden: als kaltblütig.

Die Neigung, Fälle weiblicher Gewalt wie den von Wuornos in Lehrstücke über Unterdrückung zu verwandeln, stammt laut Tanenhaus aus dem Feminismus der 60er und 70er Jahre. Für die Gegenwart sind solche Allegorien jedoch nicht mehr angemessen. Wenn man über Amy Bishop spricht, sollte man beispielsweise darüber sprechen, dass sie, wie viele Frauen heute, die Alleinverdienerin einer Familie mit vier Kindern war und unter enormem Druck stand.

Die Verweigerung der unbefristeten Lehrstelle bedeutete für ihre Familie eine Katastrophe. Mit dieser Situation könnten sich viele berufstätige Mütter identifizieren, schon gar in einer Zeit, in der die Zahl berufstätiger Frauen die Zahl berufstätiger Männer übersteigt. Eine solche Identifikation ist aber aus offensichtlichen Gründen nicht wünschenswert. Dann lässt man Bishop schon lieber zum irren Genie werden.


Hier gehts weiter mit einem Hintergrundbericht, der in der Klarheit seinesgleichen sucht …

Buchempfehlung: Yvonne Raub: Amazonismus

Einen besonderen Platz in diesem Blog verdient das Buch „Amazonismus, gewalttätige Mädchen als neue Zielgruppe“ von Yvonne Raub. Aus dem Klappentext:

Die Autorin befasst sich in der vorliegenden Arbeit mit dem hochaktuellen, jedoch noch sehr fragmentarisch beforschten Thema der Mädchengewalt. Sie gibt diesem Phänomen mit „Amazonismus“ einen Namen und beleuchtet Hintergründe, Motive, sowie Erscheinungsformen und Erklärungstheorien. Neben der Vorstellung eines bereits erprobten und bewährten Konzepts der täterInnenorientierten Gewaltberatung macht sie einen Vorschlag für ein handlungsanweisendes Anti-Gewalttraining für Mädchen mit entsprechenden Modulen. Die Autorin spricht sich eindeutig für eine genderorientierte Perspektive aus, ohne die Täterinnen geschlechtsbedingt zu entschuldigen. Dabei stellt sie sich der Frage, wie Modelle für eine Erfolg versprechende Gewaltarbeit mit Mädchen beschaffen sein müssen.

Dieses Buch ist nach meiner persönlichen Ansicht insgesamt „eine Wucht“. Frau Raub hat nicht nur präzise wissenschaftlich recherchiert, weshalb und wie Mädchen als Täterinnen ausgeblendet werden, sie stellt zudem uns Lesern auch Theorien zur Verfügung, wie sich die Täterinnen als solche „selbst ausblenden“.  Der Zusammenhang zwischen dem gesellschaftlich bedingte „Frau=Opfer“ Blickwinkel und einem weiblichen „Gewaltkreislauf“ wird deutlich herausgearbeitet. Zudem legt uns die Autorin dar, wie der Teufelskreis Amazonismus durch gezielte Täterinnen-Arbeit handlungsorientiert durchbrochen werden kann.  Eine unbedingte Lese-Empfehlung für alle Praktiker/innen, die nicht mehr bereit sind, weibliche Gewalttäterschaft zu ignorieren oder zu verniedlichen.

Eine Rezensentin bei Amazon fasst die Einmaligkeit dieses Buches so zuammen:

Empathie lässt sich nicht über Unterwerfung erzielen, sondern nur durch und über Eigenempathie, so eine der zentralen Thesen: Bin ich mit mir gefühlsmäßig im Kontakt und vermag ich mich entsprechend zu artikulieren, dann kann auch der Weg zur Opferempathie und zu gewaltfreien Wegen der Konfliktlösung gebahnt werden.

Das vorliegende Werk ist fundiert, multidimensional und handlungsorientiert und somit ein fantastischer Ausgangspunkt für eine vertiefte, gerne auch kontroverse, fachliche Debatte zur Herausforderung  Amazonismus  und seine weitere Beforschung.

Dem kann ich mich nur anschließen. 

Unbedingt lesen und kaufen!

Zwischen 25 und 47% der sexuellen Misshandler sind Misshandlerinnen

Was den fraglichen Anteil der Täterinnen betrifft, so gehen die Zahlen weit auseinander. Wetzels -der seine Dunkelfeldstudie für das Bundesministerium für Familie durchführte- kommt in seiner Studie von 1997 auf einen Anteil von zehn Prozent, Raupp und Eggers schließen 1993 auf 25 Prozent. Beide beziehen sich auf Deutschland. Die amerikanischen Forscher Risin und Koss identifizierten 1987 einen Anteil von 47 Prozent  weiblicher Sexualstraftäterinnen. Da diese Ergebnisse den Forschern selbst Unglauben bereitete, engten sie die zugrunde liegende Definition ein – wobei immer noch ein Anteil Täterinnenanteil von 35 Prozent zu verzeichnen war. (vgl. Enders 2008, S. 106) Obgleich ein Prozent, zehn Prozent oder 35 Prozent der sexuellen Gewalttaten durch Frauen verübt wurden, so ist das ein beachtlicher Täterinnenanteil, der nicht weiter in der (Fach-)Öffentlichkeit vernachlässigt werden sollte, wenn man betrachtet, wie häufig Kinder durch Männer und Frauen diese Übergriffe erfahren müssen.

Alles weitere gibt es hier.

INFO SOZIAL – Siegfried Lamnek, Jens Lüdtke, Ralf Ottermann: Tatort Familie – Häusliche Gewalt im gesellschaftlichen Kontext – eine Rezension, die mehr verrät.

Hinter dem zweiten Teil des Buches vermutete ich eigentlich eine objektive Darstellung der gesellschaftlichen Reaktionen auf häusliche Gewalt. Nach dem Lesen dieses Abschnittes hatte ich allerdings eher den Eindruck, hier werden alle bisherigen Erkenntnisse zu häuslicher Gewalt, die u.a. zum Ausbau der Hilfsangebote für die Opfer geführt haben, als Hirngespinst überspannter Feministinnen entlarvt. Es wird die einseitige Rollenverteilung in der Öffentlichkeit, wonach der Mann zum Täter und die Frau zum Opfer generalisiert wird, kritisiert. Gleichzeitig wird aber auch allen Frauen unterstellt, dass sie, die ihnen zur Verfügung stehenden Instrumente im Schutz vor weiteren Gewalttaten missbrauchen würden. Im übrigen stehen diese Instrumente, seien es zivilrechtliche Maßnahmen oder Beratungsangebote, auch männlichen Opfern zur Verfügung. Es ist auch nicht so, wie die Autoren schreiben, dass diese Instrumentarien dazu führen, dass jede Frau „völlig risikolos und wirksam den störenden Partner loswerden“ kann. In der Praxis sieht die Umsetzung des angesprochenen Gewaltschutzgesetzes sehr viel schwieriger aus und die persönlichen Rechte des Täters werden häufig über den Schutz der Frau und Kinder gestellt.

INFO SOZIAL – Siegfried Lamnek, Jens Lüdtke, Ralf Ottermann: Tatort Familie – Häusliche Gewalt im gesellschaftlichen Kontext

Was verspricht man sich von Rezensionen? Auskunft über ein Buch.
Hier wird eines der wenigen Werke, die sich mit den negativen Auswirkungen einer feministischen Gewaltpolitilk auseinandersetzen, angeblich rezensiert. Und einer Analyse, die viele Seiten des Buches umfasst, wird in eben jener Rezension ein Satz entgegengestellt, der einfach unbewiesen in der Luft steht. Es wäre alles anders!
So rezensiert man kein Buch – so stellt man sich selbst bloss! Und so wird wieder einmal klar, manche Frauen können nicht wahrhaben, was einfach wahr ist. Sonst würden wohl eigengezimmerte Weltbilder einstürzen.

„Gewalt von Frauen war kein Thema“ sagt Frau Kavemann und bagatellisiert weiter

Interview mit Soziologin Kavemann: „Gewalt von Frauen war kein Thema“ | Frankfurter Rundschau – Wiesbaden

Interview mit Soziologin Kavemann
„Gewalt von Frauen war kein Thema“

Beim Thema häuslicher Gewalt dachte man lange Zeit, nur Männer seien die Täter und Frauen immer die Opfer. Wie kommt es, dass gewalttätige Frauen früher übersehen wurden?

Das war irgendwie kein Thema der Frauenbewegung. Man hat sich da lange Zeit auf den Füßen gestanden, um Gewalt von Frauen auch in diesem Kontext wahrnehmen zu können. Aber das ist nur die halbe Erklärung. Die andere Hälfte ist: Wenn man Gewalt in den Geschlechterbeziehungen in die Politik bringen, also als Thema setzen will, dann muss man es relativ polarisierend tun. Anders funktioniert es nicht. Hinzu kommt, dass Männer deutlich seltener von schwerer, verletzungsträchtiger Gewalt betroffen sind als Frauen. Wenn es so wäre, dass wir es mit dem gleichen Bild von Gewalt zu tun hätten, dann hätten wir auch eine Menge von verletzten Männern. Und dann wäre es gar nicht möglich gewesen, dass dieses Problem nicht gesellschaftlich sichtbar geworden wäre.

Anmerkung:
Sehr geehrte Frau Kavemann,

wenn Sie sich mal gründlich informiert hätten, so wären Sie seit Jahren bereits auf manche Studien gestossen, die belegen, dass Männer von Frauen geschlagen und mißhandelt werden.
Nur: Dies geschieht einfach viel mehr im Dunkelfeld, weil die Anzeigebereitschaft und die Wahrnehmungsbereitschaft bei diesen Gewalttaten eben viel geringer ist, als bei der Gewalt von Männern gegen Frauen. Jener Gewalt also, die Sie – wie viele Feministinnen und Feministen neben Ihnen – einfach als die einzig wirklich schlimme Gewalt wahrnehmen und wahrhaben wollen.
Dieses Interview zeigt exemplarisch, dass Sie auch heute offensichtlich nicht bereit sind, die unter anderem durch Sie aufgestellten Thesen zu revidieren, zu ergänzen oder einfach anzuerkennen, dass Sie sich früher geirrt haben.
Ihr Verhalten befremdet mich einfach nur.
Sie kommen ja zudem zu folgenden Ansichten:
Wie häufig erleben denn Männer in ihren Liebesbeziehungen Gewalt?

Wenn es um das Vorkommen von Gewalt geht – also das, was von Männern so eingestuft wird – haben wir es statistisch gesehen immer mit einer Gleichverteilung zu tun. In den bundesdeutschen Untersuchungen antworten sowohl 25 Prozent der befragten Frauen als auch 25 Prozent der Männer mit „Ja“, wenn sie danach gefragt werden, ob sie schon einmal Gewalt in einer Beziehung erlebt haben. Auch bei hetero- und homosexuellen Beziehungen ergeben sich die gleichen Prozentsätze. Wenn wir dann darauf schauen, um welche Art von Gewalt es sich handelt, wie gefährlich und verletzungsträchtig sie ist und wie häufig sie vorkommt, dann sehen wir deutliche geschlechtsspezifische Unterschiede.
Und welche sind das?
Wir haben bei beiden Geschlechtern die Kombination von körperlicher und psychischer Gewalt. Aber wir haben bei der Gewalt, die Männer ausüben, eben diese Häufigkeit von gravierenden Verletzungsfolgen. Außerdem geht sie stark mit sexueller Gewalt einher, was wir bei Frauen vergleichbar nicht finden.

Wird die Gewalttätigkeit auch unterschiedlich bewertet?
Grundsätzlich wird gewalttätiges Handeln von Frauen in der Gesellschaft stärker verurteilt als das von Männern. Das sieht man bis in die Arbeit der Justiz: Gewaltverbrechen von Frauen werden schärfer geahndet als von Männern – vor allem, wenn es um Tötungsdelikte geht. Wenn Männer und Frauen jedoch befragt werden, wie sie das Gewalthandeln des anderen Geschlechts in der Partnerschaft bewerten, dann richtet sich der verurteilende Blick eher auf die Männer. Das heißt, ihnen wird eher unterstellt, dass sie das Ganze in der Absicht getan haben, die Partnerin zu knechten und ihr zu schaden. Bei Frauen wird dagegen eher angenommen, dass sie zum Teil in Selbstverteidigung handeln, dass sie also einen anderen Grund haben, sich mit Gewalt gegen den Partner zu stellen.

Es mutet geradezu seltsam an, dass Sie sich bei dieser Sachlage zu einer solchen These verleiten lassen. Die Wahrheit ist nämlich genau umgekehrt… Männer werden wesentlich härter bestraft.

Ziehen von häuslicher Gewalt betroffene Männer eigentlich andere Grenzen?
Das muss noch erforscht werden. Es gibt Hinweise darauf, dass Männer früher als Frauen aggressives Verhalten als unangemessen empfinden und von daher als gewaltförmig einstufen als das Frauen mit Blick auf ihre männlichen Partner tun.

Von welchen Formen psychischer Gewalt sprechen Männer dann eher?
Männer beklagen sich, wenn die Partnerin sie kontrolliert. Das beklagen die Frauen auch – aber es scheint so zu sein, dass Männer ein eifersüchtiges oder kontrollierendes Verhalten der Partnerin schneller als unangemessen empfinden.
Hier dämonisieren Sie Männer erneut, indem Sie ihnen Weinerlichkeit unterstellen oder absichtliche Manipulation… Sie belegen diese These jedoch mit keinem Wort.

Misshandelte Frauen können auf Unterstützung hoffen. Wie ergeht es den Männern, die Gewalt durch Frauen erleiden?
Man kann nicht generell sagen, dass Frauen auf Unterstützung hoffen können. Es ist aber ein Unterstützungsangebot aufgebaut worden, das die gesellschaftliche Situation wirklich verändert hat. Und es ist sehr viel Kompetenz und Kenntnis auch in der Breite des sozialen Unterstützungssystems angekommen, so dass misshandelte Frauen auch dort auf Rat und Hilfe stoßen, wo sie nicht zu spezialisierten Einrichtungen gehen. Für misshandelte Männer gibt es keine vergleichbare Unterstützung. Es ist noch nicht in dem Maße Thema, dass Männer auch durch ihre Partnerinnen Gewalt erleiden können.

Nicht zuletzt Sie haben durch ihre jahrelangen Ausblendungen und anderslautenden Veröffentlichungen an „vorderster Front“ doch genau dafür gründlich gesorgt, dass die Gewalt von Frauen noch „nicht genug Thema“ ist. Ich vermisse hier doch ein wenig Selbsterkenntnis – so etwas wie Reue erwarte ich nicht mehr.