Wie führende deutsche Medien Sexualstraftäterinnen verleugnen

Eine  wissenschaftliche Studie über die Verbreitung sexueller Misshandlung von Kindern ist in Südafrika veröffentlicht worden. Ca. eine Viertelmillion (!) Kinder und Jugendliche wurden befragt, also eine sehr sehr große repräsentative Zahl.  viel Leid von Kindern wurde mit viel präsiser Arbeit von Forschern und Forscherinnen dokumentiert, nicht zuletzt, um wachzurütteln und notwendige gesellschaftliche Veränderungen in Gang zu setzen.

Ein Ergebnis:  Von den 18-jährigen jungen Männern wurden 44% schon einmal vergewaltigt, davon 41% von Frauen, 32% von Männern und 27% von Tätern beiderlei Geschlechts.

Soweit ein Teil der Wahrheit, die die Studie an Licht förderte.

Die deutsche mediale Berichterstattung entspricht jedoch eher einer Ausblendung des Leidens der Jungen und jungen Männer sowie der Gewalt der Täterinnen, wie Arne Hoffmann hier eindrücklich dokumentiert.

Überschriftenkompetenz

In der Achener Zeitung steht als Headline: Die Täter sind sogar noch jünger”

Der Artikel liest sich dann jedoch so:

Zitat: Der Mann, der das Grab seiner Eltern besuchen wollte, ist auf dem Friedhofsparkplatz im Stadtteil Schaufenberg mit einem Messerstich in den Rücken getötet worden.

Die Täter waren mit dem Pkw des Opfers geflüchtet. Nachdem am Osterwochenende bekannt wurde, dass vier Jugendliche aus dem Stadtgebiet Hückelhoven in Paris als Tatverdächtige festgenommen worden seien, herrscht einerseits zwar Erleichterung über den schnellen Fahndungserfolg, aber auch Fassungslosigkeit wegen des Alters der mutmaßlichen Täter.

Die Staatsanwaltschaft Mönchengladbach korrigierte gestern die Altersangaben sogar noch nach unten: Die beiden Brüder seien 14 und 16, die beiden Mädchen 15. Ihnen wird gemeinschaftlicher Mord in Tateinheit mit Raub mit Todesfolge vorgeworfen, also gemeinschaftlich begangener Raubmord.

So werden in der Berichterstattung Mädchen zu Jungen gemacht, wenn es um Raubmord geht.

“Bericht über Frauenschicksale”

Diesmal ein Zitat in Gänze, und zwar hier entnommen.

Bitte lesen Sie das Zitat  unten aufmerksam durch.

Morgens um sechs ist für die Frauen in der niedersächsischen Justizvollzugsanstalt Vechta die Nacht zu Ende. Dann schließt Martina Felbinger die schweren Eichentüren auf. “Die Nächte in der Zelle sind hart“, weiß die Stationsbeamtin. In der Stille der Nacht müssen die Frauen allein zurechtkommen mit ihrer Einsamkeit, mit den Trümmern ihres Lebens. Eine Stunde später ist Arbeitsbeginn. Ulrike C., 52, sitzt lebenslang wegen Raubmord. Im Gefängnis macht sie den Anstreicherjob. Abends spielt die gelernte Malerin in ihrer Zelle Choräle auf einer alten Heimorgel. “Ich muss mich beschäftigen, sonst halte ich das hier nicht aus”, sagt sie. Fast alle Frauen arbeiten in einem der Gefängnisbetriebe für 180 Euro im Monat. Nur die Frauen in der Mutter-Kind-Station müssen nicht zur Arbeit. Elena aus Kasachstan ist 20, hat vier Kinder. Die beiden Kleinsten leben bei ihr im Knast. Jahrelang kam die junge Frau immer wieder ins Gefängnis. Prügel, Vergewaltigung, Drogenstrich, Diebstähle, Einbrüche – so sah ihr Leben aus. Jetzt soll sie vom Knast in eine therapeutische Einrichtung wechseln. Wenn Elena dann erneut in den Drogensumpf abrutscht, werden ihr auch die beiden kleinen Kinder weggenommen. Manche Frauen versuchen aber auch, das Beste aus der Haft zu machen, wie Lore E., die ihren gewalttätigen Stiefvater vergiften wollte und nun wegen versuchten Mordes sitzt. Sie absolviert ein Fernstudium und lernt Klavier. “Es dauert lange, bis die Wunden der Seele verheilen”, gesteht sie. Und nur in der Zurückgezogenheit ihres Haftraums findet sie die Kraft dazu. Zwei Wochen lang durfte Lutz Wetzel mit seinem Kamerateam in der JVA Vechta drehen. In den Gesprächen mit dem Autor sprachen einige Frauen zum ersten Mal freimütig über ihr Leben und ihre Empfindungen. Lutz Wetzel gibt in seiner Reportage Einblicke in eine Welt voller Verletzlichkeit, Enttäuschung und Sehnsucht, aber auch voller Misstrauen und Neid.

Als ich mit dem Lesen fertig war, fragte ich mich zweierlei:
1. Sind die Frauen, die im Gefängnis einsitzen, eigentlich nur Opfer?
2. Wenn nicht, wann wird dann mal ein Bericht über die Männerschiksale gemacht, also über das Schicksal der übrigen 93% aller Gefängnisinsassen(innen)? )

Es gilt im Übrigen unter Fachleuten als absolut gesichert, dass im direkten Vergleich der Zustände im Frauengefängnis gegenüber einem Männergefängnis das Erstere eher einer angenehmeren Urlaubssituation ähnelt.

(So z.B. der Kriminologe Prof. Christian Pfeiffer anlässlich einer Fernsehsendung “Menschen bei Maischberger”, in der über den in Antalya festgehaltenen Marco aus Uelzen berichtet wurde.)

Die “Brigitte” bekommt offenbar kalte Füsse

Nach der geradezu absurd anmutenden Forderung nach Erziehungslagern für prügelnde Ehemänner gab es Proteste in der eigens von der Redaktion eingerichteten Kommentarmöglichkeit auf der Homepage der Zeitschrift BRIGITTE…

Viele Leser und Leserinnen empörten sich über die völlig einseitige Berichterstattung von ausschließlich männlichen Tätern und der kompletten Ausblendung von prügelnden Frauen.

Offenbar gab zu viele kritische Proteste, zuletzt waren es insgesamt 185 Äußerungen zum Artikel: geschrieben von zahlreichen Fachleuten, von Publizisten und von kritischen Leserinnen und Lesern.

Jede Zeitung lebt heutzutage nicht zuletzt von der Interaktivität mit Ihren LeserInnen, der Möglichkeit also, die eigene Meinung kunzutun, die Sichtweise der Publikation zu hinterfragen, sie zu ergänzen etc..

Selbst Fachleute, die seit Jahrzehnten mit Tätern und Täterinnen arbeiten, hatten sich zu dem Artikel kritisch geäußert.

Nun wurde offenbar die Diskussion der Redaktion zu heiß; sie schloss schlicht die Kommentarfunktion und löschte sämtliche Kommentare. Jetzt steht dort:

Liebe Userinnen, liebe User,
da sich die Debatte trotz mehrfacher Ermahnung in eine Richtung entwickelt hat, die weit vom Thema abschweift und nicht mehr unseren Diskussionsregeln entspricht, sahen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion abzuschalten. Wir danken für Ihr Verständnis.
Ihr BRIGITTE.de-Team

Liebe Brigitte-Redaktion,

vielen Dank für die Offenbarung Ihres Verständnisses der Meinungsfreiheit. Anstelle bei einer solch heftigen Gegenreaktion das Forum nur zu moderieren, schließen sie es einfach und glauben noch daran, erwachsene Leser und Leserinnen “ermahnen” zu müssen.

Sie glauben vielleicht, dass aufgrund der Abschaltung die Diskussion abreißt, und der völlig verfehlte Artikel von Ihrer Redakteurin so in Vergessenheit gerät. Doch leider zeigt dies umso mehr, dass Sie nicht gelernt haben, wie heutzutage demagogische und auf Fehlannahmen beruhende Veröffentlichungen in Zeiten des “Web 2.0″ ihr nötiges Korrektiv finden.

Mit Ihrem Verhalten stellen Sie sich selbt ein Armutszeugnis aus und Sie riskieren Ihre Glaubwürdigkeit.

Backslash 2.0? Eher Gewalt 2.0 im “MÄDCHENBLOG”!

Wir lesen im “Mädchenblog”:

Nach wie vor macht es einen Unterschied, ob ein Mann Gewalt gegenüber einer Frau ausübt oder umgekehrt, denn diese Handlungen finden in einem gesellschaftlichen Kontext statt, der von der Männerbewegung ignoriert bzw. geleugnet wird. Gewalt gegen Frauen in Beziehungen gilt als Mittel der Macht und Kontrolle, dass zwar vom Mainstream (zumindest ab einer gewissen Schwelle) geächtet wird, in einigen sozialen Milieus aber noch als legitim gilt und einen wesentlicher Bestandteil von Männlichkeitskonstruktionen in Bereichen der Popkultur darstellt.

und nur wenige Zeilen später schreibt die Autorin:

Es geht mir hier nicht darum, Gewalterfahrungen von Männern zu bagatellisieren oder zu bestreiten, dass Frauen auch Täterinnen sind, sondern die Instrumentalisierung des Themas deutlich zu machen.

Was lernen wir aus diesen Veröffentlichungen?

Auf diese Weise werden in nur wenigen Zeilen Widersprüchlichkeiten weggenebelt, indem man (frau) einfach behauptet, sie seien nicht vorhanden.

Auch eine Möglichkeit. Zumindest einen Versuch wert. Doch leider kommt gerade die letzte Absichtserklärung einfach nicht überzeugend rüber.

Meine Interpretation dieses oft geübten Verhaltens :

handfuss.jpgHier fehlen Hand und Fuss im Argument. Es ist für die meisten Frauen nicht aushaltbar, feststellen zu müssen, dass die Opferrolle eben “teilbar” ist und die Täter(Binnen- I)nnen rolle auch.
So purzelt eine “Weltsicht” in sich zusammen, die die Grundlage der meisten feministischen Diskussionen über das Thema Gewalt ist. Das darf nicht sein. Also wird ein gesellschaftlicher Überbau konstruiert, dessen Konstruktion nur von der Hälfte der Bevölkerung im Konsens mitgetragen wird und in dem wieder nur die Frauen in der Opferrolle vorkommen. Und frau findet wieder die “geliebte innere Ruhe” auf Kosten männlicher Opfer und einer zumindest halbwegs logischen Nachvollziehbarkeit.

Unsere Antwort als Fachmänner und Fachfrauen:

Das können wir nicht verstehen. Es ist uns nämlich zu einfach.