Gewalt gegen Senior(inn)en

Ich weiß, dass es unverzeihlich ist”, berichtete die Frau unter Tränen. “So etwas tut man nicht”. Sie tat es trotzdem immer wieder: Sie schlug ihre alte, verwirrte Mutter, wenn diese widersprach oder nicht gehorchen wollte; oder wenn sie wieder in Schlappen und Morgenmantel beim Bäcker nebenan gewesen war.

Schläge gegen Menschen, die eigentlich Pflege brauchen, sind ein großes, viel zu wenig beachtetes Problem. Der Missbrauch von Kindern ist hierzulande ein Thema geworden.

Häusliche Gewalt gegen Alte dagegen ist nach wie vor Tabu. Dabei sind pflegebedürftige Alte ihren Angehörigen meist ebenso hilflos ausgesetzt wie Kinder, und die Pflegenden kommen aus der Spirale von Überlastung, Verzweiflung und Aggression kaum von allein heraus.

Auch in Pflegeheimen sei Gewalt ein ernstes Problem, “in der häuslichen Pflege aber ist es oft richtig schlimm”, sagt der Münchner Sozialarbeiter Claus Fussek, der sich seit Jahren für das Thema engagiert.

…  Denn nur drei der 220 Pflegenden gaben zu, auch körperlich gewalttätig zu werden. Die Hälfte von ihnen aber räumte ein, verbale und psychische Gewalt auszuüben.

Dass die wahren Zahlen viel höher liegen, glauben auch die Psychiater, die ihre Studie im British Medical Journal veröffentlicht haben. Wer mag schon zugeben, dass er seine alte Mutter anschreit, einsperrt oder auf grobe Art wäscht?

Soweit so gut, die Süddeutsche nimmt sich des Themas an und beklagt die Tabuisierung der Gewalt gegen pflegebedürftige alte Menschen.

Dass mit dieser Tabuisierung eine weitere einhergeht, die noch mehr dafür sorgt, dass dieses Thema kein großes Medienecho bekommt, wird leider nicht thematisiert. Das Tabu, Frauen als Täterinnen wahrzunehmen wird wohl noch lange dafür sorgen, dass weder den Opfern Hilfe zuteil wird, noch für Täterinnen flächendeckende niedrigschwellige Angebote finanziert werden.

Filmreihe über mordende Frauen, nochmals beschrieben…

Hamburger Abenblatt, Irene Jung beschreibt – wie bereits in den beiden letzten Artikel hier – die Sendereihe über mordende Frauen des NDR, die heute anläuft. 

Im Gegensatz zu den beiden letzten Beispielen, wie man mordende Frauen generös “schönfabuliert”, wird hier zumindest etwas mehr Klartext geschrieben. Wir lesen:

Richtig ist, dass Frauen seltener morden. Aber vor allem töten sie anders. Nach der Kriminalstatistik sind Frauen nur zu 15 Prozent am Straftatbestand Mord beteiligt und zu zwölf Prozent bei Totschlag. Am häufigsten töten sie Intimpartner – also Ehemänner und Lebensgefährten -, Kinder, Bekannte oder kranke und schwache Menschen, die ihnen anvertraut sind. Frauen beseitigen ihren Mann oder Geliebten, wenn die Beziehung zu eng, zu behindernd, gewalttätig geworden ist, wenn sie im Mann eine Bedrohung für das eigene Leben oder das ihrer Kinder sehen. Wenn sie Schulden vor ihm vertuschen wollen. Oder wenn sie endlich frei für einen anderen sein wollen – wie Christel Müller, die ihrem Mann ein Päckchen mit vergiftetem Enzianschnaps schickte. Eine Scheidung hätte sie das Sorgerecht für ihre Kinder gekostet.

Aber die Tat wird eben nicht konfrontativ im Affekt begangen, sondern ist Endpunkt einer oft langen, bedrückenden Vorgeschichte. Die meisten der Täterinnen meiden die Konfrontation, eine beharrliche Auseinandersetzung, sie ordnen sich lange unter. Bis aus dem vermeintlichen Lamm ein Wolf wird.

Manche Frauen morden auch schlicht aus Habgier.  Hier gefunden..



Doch es kommt, wie es kommen muss…

Die frühere Hamburger Justizsenatorin Lore-Maria Peschel-Gutzeit erklärt die rechtliche Lage zu einer Zeit, als Frauen gesetzlich noch gegenüber dem Ehemann benachteiligt waren. Auch das hat manchen Mord begünstigt.

Wir dürfen also gespannt sein.

Frauen morden einfach anständiger, Folge 27124

Mehrfach wurde das Buch: “Wenn Frauen morden” des Kriminalisten (mit sozialpsychologischen Ambitionen) Stephan Harbort hier bereits beschrieben. Da kann PR-INSIDE  nicht fehlen… 

 Bei Harbort geht es sowohl um Beziehungstaten als auch um Morde aus Habgier. Er analysierte die Geschichte der Brandenburgerin Sabine H., die neun ihrer Babys nach der Geburt sterben ließ. Er beschäftigt sich auch mit den spektakulären Fällen von «Todesengeln» in Krankenhäusern oder Altersheimen. Eine seiner Kernthemen: Geht es um Beziehungstaten, töten Männer meist, wenn ihnen der Verlust der Frau oder der Familie droht – nach dem Motto: «Wenn sie nicht bei mir bleibt, soll sie auch kein anderer haben.» Frauen dagegen töten eher, um den Partner loszuwerden, aus dem Gefühl heraus, sich oder andere schützen zu müssen beziehungsweise wollen: «Er ist im Weg; er muss weg. Ein Mann tötet seine Partnerin also häufig im Affekt. Bei der Frau «wird das affektiv wirksame Moment eher im Vorfeld der Tat zu suchen sein», schreibt Harbort. «Statistisch gesehen tritt der Beziehungs-Super-GAU durchschnittlich nach fünf Jahren ein, wenn die Frau beschließt, das Problem Mann gewaltsam aus der Welt zu schaffen», stellt er weiter fest. Bei Frauen, die ihre neugeborenen Kinder töten, sieht Harbort eine klare Mitschuld der Väter. Strafrechtlich würden nur die Frauen zur Rechenschaft gezogen. «Allerdings wäre es grundfalsch, die Täterinnen allein für diese Tragödien verantwortlich zu machen», schreibt er. Auch der Vater handele unverantwortlich, wenn er sich nicht um die werdende Mutter und ihre Probleme kümmere. «Was sind das für Männer, die das Ende einer Schwangerschaft bemerken und nicht danach fragen, wo das Baby ist?» fragt er. Aber auch die Familie, Freunde, Kollegen oder Nachbarn sieht er in der Pflicht. Undenkbar seien solchen Taten ohne ein familiäres und berufliches Umfeld, das sich immer wieder abwende und schweige, schreibt Harbort. «Das Ablehnen dieser sozialen Verantwortung ist sicher auch ein Verbrechen, allerdings eher ein moralisches. …

Nur 10 bis 15 Prozent der Tötungsdelikte werden von Frauen begangen, die meisten davon werden im häuslichen Bereich verübt. Selten geht es den Täterinnen darum, sich einen finanziellen oder sonstigen Vorteil zu verschaffen, wie Harbort schreibt. «Vielen Frauen, egal, wie oft sie töten, und egal, gegen wen die Taten gerichtet sind, geht es um Selbstschutz, Selbstbehauptung und Selbstverwirklichung.» Er kritisiert, dass oft nicht danach gefragt werde, warum Frauen morden und warum sie es seltener tun als Männer. 

Fazit: Das gesamte Theoriegebäude (bzw. eher der Abgrund, der sich hier auftut)  wird immer verstiegener. Weshalb?

Es ist ohne  solche hypothetische Konstrukte geradezu unmöglich, der Bevölkerung einzuhämmern, dass Frauen immer, also wirklich immer – selbst beim Morden – die moralisch besseren Menschen sind…

Sind “die Grünen” eigentlich blind für häusliche Gewalt?

Im Grunde ja, zumindest, was die größten Teile der häuslichen Gewalt – also der Gewalt gegen Kinder, Alte und Männer zusammen – angeht.

Kreis Herford. Die Kreistagsfraktion Bündnis 90 / DIE GRÜNEN besuchte die Frauenberatungsstelle Herford um sich im Vorfeld der Haushaltsberatungen für den Kreistag über die Inhalte der Arbeit und die Finanzierung der Beratungsstelle zu informieren. …  Der angegliederte Frauennotruf bietet Beratung, Therapie und Begleitung für Frauen an, die sexualisierte Gewalterfahrungen erlitten haben. Bündnis 90 / DIE GRÜNEN lobte die Arbeit der Beratungsstelle und versprach sich in den Haushaltsberatungen für den Kreishaushalt für eine Erhöhung der finanziellen Zuschüsse an die Beratungsstelle ein zusetzen.
…so schreibt es zumindest der Wochenanzeiger Herford unter der Überschrift:

“Schwerpunkt der Arbeit: Häusliche Gewalt”

Bei Genderama geht es weiter: Hier werden die Anstrengungen der Grünen dokumentiert, Väterrechte zu bestreiten…

Natürlich fehlen auch Hinweise auf Gewalt nicht. Und das, obwohl sogar Frau v.d. Leyen vor 2 Wochen offiziell bekanntgab, daß 2/3 aller Kindesmißhandlungen von den leiblichen Müttern verübt werden.

Häusliche Gewalt in der Pflege

Der Wochennzeiger Herford berichtet über einen Bestandteil des Gewaltkreislaufes, der TäterInnen entschuldigt und so  im Grunde zu weiterer Gewalt führt…

Görgen schilderte Fallbeispiele aus seinen Untersuchungen, die zeigen, dass “Täter” und “Opfer” nicht so eindeutig trennbar sind wie bei anderen Gewalthandlungen. Im Gegenteil ist es häufig so, dass auch die sogenannten Täter bzw.  Täterinnen sich häufig als Opfer und hilfebedürftig empfinden.