Eine lesenswerte Analyse über die Wahrnehmung von weiblichen Täterinnen hat das Feministische Institut in Hamburg herausgegeben. Diese sehr differenzierte Einschätzung der Realitäten über die Folter-Soldatin Lyndie England ist hier zu finden...
Eigenmächtige Handlungen weiblicher Täterschaft werden einerseits negiert und eine letztlich unschuldige Weiblichkeit dargestellt wie bei den diskursiven Strategien der Infantilisierung, der Seduktion und der Viktimisierung. Hierdurch erfährt Lynndie England eine Entlastung von der Täterschaft. Andererseits wird durch die Pathologisierung und die Sexualisierung bzw. Pornographisierung weibliche Täterschaft als eine absolute Ausnahme dargestellt und die Gewalttaten erscheinen als unnormaler Einzelfall. Dabei hat das Bild von weiblicher Unschuld sein Gegenstück im Bild der grausamen und devianten Frau. Diese dichotomen Weiblichkeitskonstruktionen sind zumindest in der westlichen Welt schon lange etablierte Konstruktionen.
Allen diskursiven Strategien ist gemeinsam, dass sie die Täterin als nicht selbstverantwortlich handelnde Person zeichnen, welche bewusst eigene Entscheidungen treffen kann. Der folternden Frau werden bei den Taten keine eigenen moralischen Entscheidungen oder Einsichten zugestanden. Trotz gesellschaftspolitischer Veränderungen wie der Öffnung des Militärs für Frauen und der direkten Beteiligung von Frauen an Krieg und Gewalt, besitzt die traditionelle essentialistische Vorstellung von friedfertiger Weiblichkeit nach wie vor enorme Gültigkeit.
