In Stuttgart wurde vor wenigen Tagen eine 4jährige von ihrer Mutter getötet.
Eine Anwältin und Psychologin erklärt jetzt in der Stuttgarter Zeitung, warum gerade “Überforderung” dazu führt, dass Frauen eben jenes Tatmotiv bekommen, das ihr Verhaltern erklärt…
Stuttgart – Die Münchner Rechtsanwältin und Psychologin Annegret Wiese hat sich in ihrem Buch “Mütter, die töten” mit den Motiven der Täterinnen beschäftigt. Im Gespräch mit Susanne Janssen erklärt sie, welche Rolle dabei überhöhte Erwartungen spielen.
Kann es sein, dass Außenstehende nichts von Mord- und Suizidgedanken mitbekommen?
Das kommt häufig vor, wenn Überforderung dahinter steckt – und das ist ein gängiges Motiv, es muss nicht zwingend eine psychische Erkrankung vorliegen. Dabei hängt die Überforderung in erster Linie von der eigenen Erwartungshaltung ab, gar nicht primär von den objektiven Leistungen, die eine Mutter erbringen muss.
Aber das Mädchen war von beiden Elternteilen erwünscht…
Bei einem Wunschkind besteht nicht selten die Gefahr, dass die eigene Mutterrolle erhöht wird. Viele dieser Frauen wollen besonders gut und besonders perfekt sein – eine geringfügige Störung ist in ihren Augen riesengroß. Dazu können auch die Berichte über prominente Schauspielerinnen beitragen, die ein Kind nach dem anderen bekommen und das Bild einer heilen Familie vermitteln. Vor diesem Hintergrund ist es für Frauen mit einem geringen Selbstwertgefühl schwierig, um Hilfe zu bitten, weil es bedeuten würde, das eigene Versagen einzugestehen.
So langsam wird deutlich, wie wenig Frauen andere Frauen ernst nehmen, wenn es darum geht, die Tötungen von Menschen zu erklären. Beim Thema “Verantwortung übernehmen” haben Täterinnen offenbar den Vorteil, dass ihnen jene Fähigkeit durch ihre Geschlechtsgenossinnen zumindest teilweise abgesprochen wird.
Wir lernen: Mordmotive von Frauen sind immer moralisch besser und verständlicher als die der angeblich stets so bösen Männer.

