Wenn in Beziehungen die Gewalt regiert, sind Männer längst nicht immer die Täter. Auch sie werden verprügelt, schikaniert und erpresst.
«Stich doch zu, dann ist es endlich vorbei» – News Leben: Gesellschaft – tagesanzeiger.ch
Es gibt aber auch männerspezifische Probleme. «Dass Männer Opfer von weiblicher Gewalt werden, ist ein Tabu», sagt Berater Hagner. «Deshalb meinen Betroffene, sie seien die einzigen, denen das passiert. Und oft schenkt man ihnen auch keinen Glauben.» Viele männliche Opfer würden sich selbst nicht ernst nehmen, sich für abnormal halten. Kathrin Graf, Fachverantwortliche für häusliche Gewalt bei der Kantonspolizei, sieht noch einen anderen Unterschied zu weiblichen Opfern: «Frauen sind sensibilisierter. Sie rufen häufiger die Polizei, selbst wenn die Verletzungen nur gering sind, weil sie körperlich unterlegen sind und eher um Leib und Leben fürchten.» Für viele Familienväter spricht ein weiteres Argument gegen eine Trennung: Sie befürchten, danach ihre Kinder nicht mehr sehen zu dürfen. Dazu kommt im Fall einer Scheidung die finanzielle Unsicherheit
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Warum Franziska schlug, weiss Nick bis heute nicht. Sie hat nicht getrunken, keine Drogen genommen, war nicht psychisch krank. Vielleicht habe er in der Beziehung auch Fehler gemacht, sagt er. Vielleicht habe er zu wenig Zeit gehabt, zu viel Sport getrieben. Oder seine Partnerin zu Gunsten der Kinder vernachlässigt, weil er ihnen nicht widerstehen konnte, wenn sie um seine Aufmerksamkeit bettelten.
Hatte er Angst vor seiner Partnerin, vor den Schlägen, vor dem, was ihn erwarten würde, wenn er von der Arbeit heimkam? «Nein, Angst nicht. Ich konnte die Schläge meistens parieren, weil ich stärker war als sie.» Aber Suizidgedanken, die hatte er. Kaufte sich schwarze Kleider, schrieb einen Abschiedsbrief. Was ihn am Ende vom Selbstmord abhielt, war die Verantwortung für die Kinder. Und wieder erzählt er, er sei in der Situation gefangen gewesen. Immer am ausweichen, taktieren, lavieren. Manchmal kamen ihre Ausbrüche wie aus heiterem Himmel, dann wieder schwebte Franziskas Wut «wie ein Kugelblitz» im Raum, völlig unberechenbar, nie war absehbar, wo sie einschlagen würde.
Schlimmer als die Schläge waren für Nick ohnehin die ständigen Drohungen, Beleidigungen, Diffamierungen. Als sie seinen Abschiedsbrief fand, lachte sie ihn aus. Einmal drohte sie ihm, sie werde sein Bankkonto leeren, ein anderes Mal, sie packe die Kinder ins Auto und fahre auf der Autobahn in einen Pfeiler. Auch vor Nicks Tochter Laura machte Franziska nicht Halt, beschimpfte sie oder bezeichnete Lauras Mutter als «blonde Futz». Zwei Mal jagte sie Laura aus dem Haus. «Das hat mich am meisten fertig gemacht», erzählt Nick, «dass ich schliesslich Lauras Besuchsrecht einschränken musste, weil sich Franziska so schlimm aufgeführt hat.»
