Vor einigen Wochen war die Welt über den Fall des Josef Fritzl in Österreich erschüttert und empört. Tagelang wurde über seine Greueltaten in den Nachrchtensendungen in aller Welt bis ins Detail berichtet. Josef Fritzl, der eine ganze Familie über Jahrzehnte gefangen hielt, ist in der Tat ein furchtbarer Täter. Und: er ist ein Mann.
Haben Sie schon einmal etwas von Klara Mauerova gehört? Oder von Barbora Skrlova?
Barbora Skrlova und Klara Mauerova sind Frauen. Beide sind in einen Fall von brutaler Kindesmisshandlung verstrickt.
zu den bisher bekannten Fakten: Klara Mauerova (31) ist Mutter von zwei Söhnen: Ondrej und Jakub. Zwei Jungen, die sie in einem Käfig hielt und grausam folterte.
Schon die Vorgeschichte hat etwas Verstörendes. In der mährischen Ortschaft Kurim sieht ein Vater abends auf einem Überwachungsmonitor statt seines schlafenden Kindes plötzlich einen ihm unbekannten, offensichtlich schwer misshandelten Knaben. Er eilt ins Schlafzimmer, wo er aber alles in Ordnung findet. Des Rätsels Lösung: Eine Überlagerung einer Frequenz hatte ihm Bilder ins Haus gebracht, die zu derselben Zeit in der Nähe aufgenommen wurden. Der Mann eilt zur Polizei, die kurz darauf im Haus einer gewissen Klara Mauerova zwei Knaben, Ondrej und Jakub, findet, die offenbar von ihrer Mutter und weiteren Komplizen aufs Fürchterlichste gequält worden sind. Die Folterszenen waren aufgenommen und die Filme und Videos höchstwahrscheinlich verkauft worden. Die Polizei brachte die Kinder sofort in ein Heim; Klara Mauerova wurde unter Anklage gestellt.
Damit sie ihre Kinder auch aus der Küche leiden sehen konnte, installierte sie eine Videokamera. Nun steht Klara Mauerova vor Gericht.
Jetzt werden die furchtbaren Details der Tragödie nach und nach aufgedeckt: Die Horror-Mutter missbrauchte die Buben und brachte sie dazu, sich mit Messern selber zu schneiden. Wie der «Telegraph» berichtet, soll Mauerova auch rohes Fleisch vom siebenjährigen Ondrej gegessen haben.
Weinend brach sie vor Gericht zusammen, beschuldigte aber eine 34-jährige Frau, ihr eine Gehirnwäsche verpasst zu haben. Barbora Skrlova, wie Klara Mauerova Mitglied der Sekte «Gralsbewegung», soll die Buben auch gefoltert haben.
«Schreckliche Dinge sind geschehen. Ich verstehe nicht, wie ich das zulassen konnte», sagte Mauerova laut «Foxnews» vor Gericht.
Zu Barbora Skrlova schreibt die NZZ
Einlieferung und Flucht
Bis dahin ist der Fall tragisch, aber nicht ungewöhnlich – Experten des Sozialministeriums in Prag schätzen die Zahl der misshandelten Kinder in Tschechien auf rund 40 000, was ungefähr der Quote anderer ostmitteleuropäischer Länder entspricht. Doch in Kurim fand die Polizei in der Wohnung der Mauerova nebst den beiden Knaben auch ein Mädchen, und hier nimmt der Fall bizarre Formen an. Das Kind gab sich als 13-jähriges Mädchen namens Anna aus. Es war unter noch nicht geklärten Umständen als Pflegekind zu Klara Mauerova gelangt und laut Polizeiangaben vermutlich ebenfalls misshandelt worden. Aus dem Heim, in das «Anna» zunächst mitsamt den Knaben gebracht wurde, entwich sie noch in derselben Nacht. Bei der Abklärung der Identität «Annas» stellte sich dann heraus, dass sie in Wirklichkeit Barbora Skrlova hiess – und 33 Jahre alt war.
Skrlova war nicht nur fähig, glaubwürdig als Kind aufzutreten, sondern gelangte irgendwie – vermutlich mit Hilfe aus ihrer obskuren Umgebung – auch über mehrere Grenzen. In Dänemark gab sie der Zeitung «Lidove Noviny» ein Interview, doch dann verlor sich ihre Spur. Am 5. Januar schliesslich tauchte Skrlova im norwegischen Tromsö als 13-jähriger Knabe namens Adam wieder auf. Ins Land gekommen war sie im Sommer mit einer fünfköpfigen tschechischen Familie. Zu ihrer neuen Identität als «Adam» verhalf ihr nach Angaben der Polizei der tschechische Dramatiker und Schriftsteller Martin Fahrner, indem er ihr den Pass seines Sohnes Adam lieh. Der Fall platzte, als Skrlova alias «Adam» Fahrner beschuldigte, sie misshandelt zu haben. Fahrner wurde festgenommen, Skrlova kam in ein norwegisches Kinderheim. Wieder floh sie rasch, doch die Polizei fand sie und stellte fest, dass es sich bei «Adam» nicht um einen Knaben, sondern um eine erwachsene Frau handelte.
Auch dieser Fall ist bizarr. Vielleicht nicht so bizarr wie der Fall Fritzl. Aber dort ist der Täter ein Mann. Vielleicht wird auch deshalb mehr darüber berichtet.
