In diesem Artikel geht es nicht um die körperliche Gewalt “an sich”. Es geht vielmehr um die Billigung derselben als amüsante Lektüre.
Es ist eigentlich nur eine Fiktion, ein Buch, mehr nicht. Doch dieses Buch wird hochgelobt. Die Rollen sind verteilt, der Plot ist angerichtet, Zitat:
Der Plot ist gut: Eine Guerilla-Truppe überfällt ein kleines kolumbianisches Dorf und nimmt alle Männer mit. Die zurückbleibenden Frauen organisieren das Zusammenleben nach neuen Prinzipien. Mariquita, das Dorf, liegt so versteckt, dass unter weiblicher Führung unbemerkt eine komplett unabhängige Parallelwelt entsteht.
(Stellen Sie als geneigte(r) Leser(in) nur einmal vor, hier wären die Rollen vertauscht… wäre das Buch in einem deutschen Verlag verlegt worden? Vielleicht ja, doch es ist bereits ziemlich unwarscheinlich, dass sich eine männliche Paralellwelt in der Fantasie einer Autorin “gut” entwickeln könnte…)
Nun weiter im Text:
Cañón erzählt vielmehr konsequent die Umwandlung einer kapitalistischen in eine kommunistische Gesellschaft – vor dem Hintergrund des kolumbianischen Bürgerkrieges. Denn die Guerillas haben jene Männer, die sich wehrten, mit ihnen zu gehen, ermordet, die amüsanten, anschaulichen Lageberichte aus dem Dorf wechseln mit fiktiven Interviews eines amerikanischen Journalisten mit den Männern, die den Krieg führen.
(Erneute Frage: Wäre das Buch unter umgekehrten Geschlechtsrollen jetzt immer noch verlegt worden?)
Doch auch damit nicht genug… Zitat:
… dennoch ist Der Tag, an dem die Männer verschwanden zuvörderst eine unterhaltsame Lektüre über Frauen, denen der Verlust ihrer Männer sehr entgegenkommt.
Gefunden habe ich dieses Prachtexemplar von inszeniertem Männerhass nicht in einem Bürgerkriegsland, sondern eben jenem EU-Staat, dessen Aussenministerin erst kürzlich behauptete, dass sich die Gewalt in Kriegen mehrheitlich gegen Frauen richten würde, und deren Frauenministerin davon überzeugt ist, dass Jungen in ihrem Land eigentlich niemals Opfer von Gewalt sein würden, sondern nur Täter werden könnten.
Nein, es ist kein bürgerkriegsgebeuteltes Entwicklungsland, in dem sich solche Dinge abspielen: es ist Österreich.
Hier freuen sich einige sogar an der Überschrift für dieses Buch:
Die erfreuliche Entmannung der Gesellschaft
In einem versteckten Dorf in Kolumbien entsteht unter weiblicher Führung unbemerkt eine unabhängige Parallelwelt
Ich frage mich langsam, wie sich wohl die Männer in Österreich fühlen, die als Steuerzahler das Land und deren Vertreterinnen nun einmal mehrheitlich mitfinanzieren. Ob die langsam Angst kriegen?
