Diesmal ein Zitat in Gänze, und zwar hier entnommen.
Bitte lesen Sie das Zitat unten aufmerksam durch.
Morgens um sechs ist für die Frauen in der niedersächsischen Justizvollzugsanstalt Vechta die Nacht zu Ende. Dann schließt Martina Felbinger die schweren Eichentüren auf. “Die Nächte in der Zelle sind hart“, weiß die Stationsbeamtin. In der Stille der Nacht müssen die Frauen allein zurechtkommen mit ihrer Einsamkeit, mit den Trümmern ihres Lebens. Eine Stunde später ist Arbeitsbeginn. Ulrike C., 52, sitzt lebenslang wegen Raubmord. Im Gefängnis macht sie den Anstreicherjob. Abends spielt die gelernte Malerin in ihrer Zelle Choräle auf einer alten Heimorgel. “Ich muss mich beschäftigen, sonst halte ich das hier nicht aus”, sagt sie. Fast alle Frauen arbeiten in einem der Gefängnisbetriebe für 180 Euro im Monat. Nur die Frauen in der Mutter-Kind-Station müssen nicht zur Arbeit. Elena aus Kasachstan ist 20, hat vier Kinder. Die beiden Kleinsten leben bei ihr im Knast. Jahrelang kam die junge Frau immer wieder ins Gefängnis. Prügel, Vergewaltigung, Drogenstrich, Diebstähle, Einbrüche – so sah ihr Leben aus. Jetzt soll sie vom Knast in eine therapeutische Einrichtung wechseln. Wenn Elena dann erneut in den Drogensumpf abrutscht, werden ihr auch die beiden kleinen Kinder weggenommen. Manche Frauen versuchen aber auch, das Beste aus der Haft zu machen, wie Lore E., die ihren gewalttätigen Stiefvater vergiften wollte und nun wegen versuchten Mordes sitzt. Sie absolviert ein Fernstudium und lernt Klavier. “Es dauert lange, bis die Wunden der Seele verheilen”, gesteht sie. Und nur in der Zurückgezogenheit ihres Haftraums findet sie die Kraft dazu. Zwei Wochen lang durfte Lutz Wetzel mit seinem Kamerateam in der JVA Vechta drehen. In den Gesprächen mit dem Autor sprachen einige Frauen zum ersten Mal freimütig über ihr Leben und ihre Empfindungen. Lutz Wetzel gibt in seiner Reportage Einblicke in eine Welt voller Verletzlichkeit, Enttäuschung und Sehnsucht, aber auch voller Misstrauen und Neid.
Als ich mit dem Lesen fertig war, fragte ich mich zweierlei:
1. Sind die Frauen, die im Gefängnis einsitzen, eigentlich nur Opfer?
2. Wenn nicht, wann wird dann mal ein Bericht über die Männerschiksale gemacht, also über das Schicksal der übrigen 93% aller Gefängnisinsassen(innen)? )
Es gilt im Übrigen unter Fachleuten als absolut gesichert, dass im direkten Vergleich der Zustände im Frauengefängnis gegenüber einem Männergefängnis das Erstere eher einer angenehmeren Urlaubssituation ähnelt.
(So z.B. der Kriminologe Prof. Christian Pfeiffer anlässlich einer Fernsehsendung “Menschen bei Maischberger”, in der über den in Antalya festgehaltenen Marco aus Uelzen berichtet wurde.)
