Das große Männermeucheln

Frau Amberg ist außer sich: Nicht genug, dass die Stargeigerin ihrem Mann einen Autosalon finanziert, nein, er hat offenbar auf ihre Kosten auch noch eine Wohnung gemietet, in der er eine proletarische Blondine zu begatten pflegt. Frau Amberg ist deshalb wirklich wütend. Sie schubst ihren Gatten durch sein Liebesnest. Er stolpert rückwärts. Sie schubst ihn weiter. Bis zum offenen Fenster. Er wehrt sich. Sie schubst noch einmal. Herr Amberg ist dann fünf oder sechs Stockwerke lang unterwegs
Mit dieser kapitalen Straftat beginnt der ZDF-Montagsfilm “Böses Erwachen”. Hätte hier ein Mann seine Frau in die Tiefe gestoßen, dann wäre daraus wohl eher ein herb-bitteres Kriminalstück geworden. Das wäre nämlich gar nicht lustig. So aber ist es der Ausgangspunkt für eine – wenn auch rabenschwarze – Komödie.Und man braucht nicht mal zu diskutieren, ob es im Affekt geschah. Ach wo. Den milderndsten aller Umstände kann die Täterin beim Publikum ohnehin in Anspruch nehmen: Sie ist eine Frau. Frauen dürfen das. Auch das weibliche Verbrechen hat eine höhere intellektuelle und sittliche Qualität: Gilt der klassische Frauenmörder als triebgesteuertes Monster, erscheinen Männermeuchlerinnen regelmäßig als patente, raffinierte Weibsbilder, die endlich jene Kerle erledigen, die schon lange mal fällig waren. Die Schriftstellerin Ingrid Noll hat mit solchen Sympathieträgerinnen Millionen verdient.Offenbar sind Frauen aller Emanzipation zum Trotz immer noch so sehr Underdogs, dass es in der Gesellschaft – auch bei Männern – für umso mehr Freude und Genugtuung sorgt, wenn Frauen in Täterrollen erscheinen.

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