Zwei 14 und 15 Jahre alte Mädchen greifen andere Mädchen an – grundlos. So am 6. August im Hauptbahnhof, wo sie, enthemmt von einer Flasche Wodka, zwei Mädchen aus dem Umland anpöbeln, beleidigen und brutal verprügeln; keiner der Passanten hält sie auf. Dann knapp eine Woche später im Stadtteil Bischofslinde, wo sie zwei andere Mädchen an den Haaren reißen, zu Boden werfen, treten und schwer verletzen. Später werden sie bei der Vernehmung gestehen, bereits Anfang Mai jemanden verdroschen zu haben. Die 14- und die 15-Jährige kommen, wie es offiziell heißt, aus “schwierigen familiären Verhältnissen” und sind in der Vergangenheit vom Sozial- und Jugendamt der Stadt Freiburg betreut worden.
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Der Fall hat viele Menschen beschäftigt, die von ihm gelesen oder gehört haben, bis hin zu Leserbriefen und Kommentaren im Internet. Sicherlich auch, weil man von Mädchen ein derart aggressives Verhalten bislang nicht gewohnt war. “Früher war Gewalt von Mädchen eine Ausnahme, heute erleben wir das immer häufiger”, sagt Ulrich Brecht, Pressesprecher der Polizeidirektion Freiburg. Und die Polizei wisse, dass ihr nicht jede dieser Taten auch gemeldet wird: “Teilweise haben die Opfer Angst vor der Rache der Täterinnen.”Kann das stimmen? Bundesweite Zahlen zur weiblichen Jugendgewalt ergeben sich nach Recherchen des Spiegel aus den Daten der polizeilichen Kriminalstatistik: Sie gibt Aufschluss über die Zahl der Tatverdächtigen, bezieht sich auf die Fälle, die angezeigt worden sind. Danach kamen 2008 14 294-mal Mädchen zwischen 14 und 18 Jahren wegen Körperverletzung mit der Polizei in Kontakt. Das sind fast doppelt so viele Fälle wie vor zehn Jahren. Doch ist der Anteil der gewalttätigen Mädchen immer noch sehr viel geringer als der der Jungen: Nur ein Fünftel der Täter ist weiblich. Zahlen für Freiburg gibt es keine. Aber auch Oberstaatsanwalt Wolfgang Maier ist sich sicher: “Gewalttaten mit weiblichen Beschuldigten nehmen rapide zu und werden zunehmend heftiger. Das fällt auch uns bei den Justizbehörden auf.”
Freiburg: Prügelnde Mädchen – Trend oder Einzelfälle? – Badische-Zeitung.de
