“Dürfen Frauen als Täterinnen wahrgenommen werden?”

Das fragen Sabine Seifert-Wieczorkowsky und Edna Hansen-Beckers in ihrem neuesten Artikel.

Und: Sie geben Antworten :

Frauen als Täterinnen zu sehen, bringt unser Weltbild durcheinander, nicht nur in der feministischen Diskussion.

Jüngst spielte sich in Familienkreis folgende Gesprächssituation ab: Zuerst war das allgemeine Thema Gewalt, Gewalt in der Schule, häusliche Gewalt, Gewalt durch Männer. Die Diskussion wurde immer intensiver bis zu dem Satz „auch Frauen schlagen ihre Kinder“. Darauf kam die prompte Antwort von einem Freund „na, das ist ja was völlig anderes!“ Ja, ist es das? An dieser Stelle brach die Diskussion abrupt ab.Daran wird deutlich, wie tabuisiert und bagatellisiert Gewaltausübung durch Frauen immer noch ist.

Hier zu Lande liegen kaum Forschungsergebnisse zum Thema Täterinnen vor. Mädchen und Jungen, die von Gewalt durch Frauen berichten, sind zahlenmäßig in der Minderheit. Wir gehen im sogenannten Hellfeld im Allgemeinen von ca. 10% bis 20% aus.
Das Hellfeld ist nur die statistisch wahrgenommenen Gewalt. Das Dunkelfeld ist sicher größer. Hinzu kommt die steigende Zahl an gewalttätigen Mädchen.

Jetzt kommt die Anforderung auf uns zu, mit Täterinnen zu arbeiten.

Keine Frau, die mit Opfern von Gewalt arbeitet, egal ob Junge oder Mädchen, kann ernsthaft die Absicht haben, dass Gewaltausübung durch Frauen zum Familiengeheimnis wird. Öffentlich machen, kontroverse Diskussionen anregen, Ängste und Unsicherheiten benennen, damit sie Raum bekommen, muss das Ziel sein. Erst dann trauen sich Opfer über ihre Gewalterfahrung durch Täterinnen zu reden und erst dann können Frauen, die gesellschaftlich gesehen immer noch dem gängigen Bild einer friedfertigen, passiven und opferbereiten Frau zugeschrieben werden, als Täterinnen ernst genommen werden.

weiblgewalt.jpgGewalt bedeutet für uns jede körperliche Verletzung einer Person durch eine andere und die Androhung von physischer Gewalt. Diese Definition entspricht nahezu dem Alltagsverständnis, das Gewalt mit tätlicher Beeinträchtigung, also schlagen, treten, töten assoziiert wird. Kommen Handlungen wie Vergewaltigung, sexueller Missbrauch hinzu sprechen wir von sexualisierter Gewalt.

Ferner gehen wir davon aus, dass Gewalt grundsätzlich als intentionaler Handlungsbegriff zu verstehen ist. Das heißt, jeder Gewalthandlung liegt eine Entscheidung zur Gewalt zugrunde. Gewalt ist ein willentlicher, selbst zu verantwortender Akt!

Und das gilt auch für Frauen.

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