Die amerikanische Sozialwissenschaftlerin Deborah Capaldi weist auf einen oft übersehenen Faktor bei häuslicher Gewalt hin: Die Höhe des Risikos einer Frau, Opfer zu werden, hängt maßgeblich davon ab, wie sehr sie selbst dazu neigt, häusliche Gewalt auszuüben. Schließlich handele es sich hierbei um einen Prozess, bei dem Gewalthandlungen einander gegenseitig bedingen. So zeigt sich bei Studien über Frauen, die in einem Frauenhaus lebten, dass zwei Drittel von ihnen im vergangenen Jahr selbst schwere Gewalt gegen ihren Partner ausgeübt hatten. Und Männer, die in der Partnerschaft mit einer Frau körperlich aggressiv sind, weisen bei einer anderen, friedlicheren Partnerin ebenfalls ein gänzlich anderes Verhalten auf – was die Behauptung, bestimmte Männer seien nun mal Schläger, widerlegt.
Genderama: Gewaltforscherin: Bereitschaft von Frauen zur Gewalt bestimmt ihr Risiko, Opfer zu werden
Zwei Drittel der Frauen, die in diesen Frauenhäusern untersucht wurden, sind demnach nicht Opfer, sondern Täterinnen.
